[>>]

 

Sie befinden sich im eco.log in der Rubrik:
Zeit

Zum eco.log Hauptmenü gelangen Sie hier.

Nachfolgend finden Sie alle "Zeit"-Postings nach dem Datum ihrer Veröffentlichung gereiht.


BESCHÜTZTE KINDHEIT (2005) [Radio Augustin/Radio Orange] PREVIEW
  

RealAudio
 

Sex. Macht Spaß, wenn man ihn hat, meistens. Daraus ein Spiel zu machen unter Gleichberechtigten, die die Wahlmöglichkeit haben ob und mit wem sie ins Bett gehen, ist auch in Ordnung. Alles andere ist Gewalttätigkeit. Und trägt oft den Namen Kindsmissbrauch. Laut Dr. Walter Hoffmann vom Wiener Institut für angewandte Tiefenpsychologie und zugleich Co-Autor des legendären Reports von Gerti Senger über das Sexleben der Österreicher, glaubt dass 10-12 Prozent aller Mädchen mit sexueller Gewalt, meist in der Familie, konfrontiert werden. Und auch bei den Burschen, so Hoffmann, soll die Dunkelziffer mindestens ebenso hoch liegen.
 

  

Im Gespräch:

Dr. Walter Hoffmann, Institut für angewandte Tiefenpsychologie

  
 SENDUNG ABSPIELEN (RealAudio)
Sendedatum:
19. 12. 2005
Sender: Radio Orange 94.0 (Augustin
Magazin
), Wien
Laufzeit: ca. 20'
Gestaltung: Chris Haderer, Tina K. Strauss.

15 Jahre "Ganslwirt" [Radio Augustin/Radio Orange] PREVIEW
   

RealAudio
 

15 Jahre ist der Wiener "Ganslwirt" alt geworden und hat sich, trotz aller politischen Wiedrigkeiten, zu einer wichtigen Anlaufstelle für Drogenstüchtige etabliert. Die sozialmedizinische Drogenberatungsstelle, wie der Ganslwirt im Amtsdeutsch heißt, wurde 1990 eröffnet; 1992 kam zum Tageszentrum und der Notschlafstelle das bis heute erfolgreich laufende Spritzentauschprogramm hinzu. Drogenabhängige aus der Straßenszene erhalten beim Ganslwirt Hilfe. Das Angebot reicht von warmen Essen über Duschmöglichkeiten, Spritzentausch, Beratung und ambulante Behandlung bis zu Notschlafstellen.
 

 SENDUNG ABSPIELEN (RealAudio)
Sendedatum:
5. 12. 2005, 15:00-16:00
Sender: Radio Orange 94.0 (Augustin Magazin), Wien
Laufzeit: ca. 19'
Gestaltung: Chris Haderer


MATERIALIEN:
 
 

Mariahilf aktuell 1/90: "Smejkals Drogenwegkreislauf?"

 

 

Wien Informiert, Mai 1990.

 

 

Mariahilf aktuell 6/90: Einladung zur Bürgerversammlung "Drogenbeisl Ganslwirt."

[Die Informationsblätter wurden von Claudia Altendorfer zur Verfügung gestellt.]

 

Mariahilf aktuell 2/92: Bezirksvorsteher Pint lädt zur Mariahilfer Drogenenquete.

  

Chris Haderer, Dezember 2005. For noncommercial use only.


Die Aliens von Lunik IX.

"DIE ALIENS VON LUNIK IX." - EINE RADIO-REPORTAGE.

 

Ab sofort ist die Radio-Reportage "Die Aliens von Lunik IX.", die am 22. 4. 2005 im "Augustin-Magazin" auf der Frequenz von Radio Orange (Wien 94,0 Kabel 92,7) ausgestrahlt wurde, auch online als RealAudio-Datei abrufbar.


>>http://crop.mur.at/g7/walk_of_fame/projects/svinia/aliens.html


In der Slowakei leben etwa 400.000 Roma, fast alle in zerfallenden Siedlungen am Rande der menschlichen Vorstellungskraft. Die EU-Osterweiterung hat ihnen keine Vorteile gebracht; im Gegenteil: die Slowakei, die den Roma nie eine gute Heimat war, wurde von der Europäischen Union sogar angehalten, sie an einer Abwanderung in andere Länder des Staatenbundes zu hindern. Im Osten der Slowakei liegen die Roma-Siedlungen Lunik IX und Svinia, die sich von anderen Punkten auf der slowakischen Landkarte nur durch eines unterscheiden: sie sind eine Vorhölle auf Erden. Eine Reportage von Chris Haderer.
 

Anfang März 2005 besuchten der Fotograf Luca Faccio und Chris Haderer im Rahmen einer Recherche für ein österreichisches Monatsmagazin Roma-Siedlungen in Kosice und Svinia. Aus dem aufgenommenem Video- und Audiomaterial entstand die Reportage "Die Aliens von Lunik IX." Neben der Aufzeichnung sind weiters der Sendungstext (mit Links und Fotos) sowie im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Website "www.folter.co.at" auch ein kurzer Videobeitrag zum Thema "Zwangssterilisationen an Roma-Frauen" verfügbar.
 

"Die Aliens von Lunik IX."
zur Reportage:
 Audio, ca. 59'

Die Aliens von Lunik IX.

Gestaltung:
Gesprochen von:
Interviews in der Slowakei:
Übersetzung:
Aufnahme/Produktion:
Sendedatum/Sendung:

Chris Haderer
Claudia Altendorfer, Chris Haderer
Luca Faccio, Chris Haderer
Robert Packan, Daniela Hudiova
März/April 2005
22. 4. 2005, Augustin-Magazin auf Radio Orange (Wien)


(c) by Chris Haderer.

 


Nachfolgend finden Sie das Editorial des EVOLVER-Newsletters vom 16. 3. 2005 (>> EVOLVER-Homepage):

Evolver-Editorial "St(r)achel im Fleisch", 16. 3. 2005:

Die FPÖ, man muß das neidlos im Raum stehen lassen, ist ein wackerer Verein, den weder Kritik noch gesunder Menschenverstand entmutigen. Nachdem Wien Ende der 90er Jahre nicht Chicago werden durfte (es aber wollte, weil Hillary Clintons Geburtsstadt mittlerweile zu den sichersten Orten der Welt gehört), muß nun verhindert werden, daß Wien über Nacht zu Istanbul konvertiert.


16. 3. 2005; Wien (Gumpendorferstraße, Ecke Millergasse)

Daß die immer um das Ansehen der Alpenrepublik bemühte FPÖ den Slogan plakatieren hat lassen, ist nicht das eigentlich Gruselige am Überformat. Kalt läuft es einem vielmehr den Rücken hinunter bei der Behauptung, dass Heinz Strache "sagt, was Wien denkt." Hat der das zweite Gesicht? Oder woher weiß er das?

Ist die Wiener FPÖ esoterisch erleuchtet worden? Haben Strache und sein Team per "Channeling" Kontakt zu einem überirdischen Wesen aufgenommen, das ihnen sagt, was ihre Wähler wünschen? Ist Heinz Strache gar das Produkt eines genetischen Experiments, wie man es immer wieder im Kino sieht? Wurden die brachliegenden 80 Prozent seines Gehirns aktiviert, sodaß er jetzt durch pure Konzentration in die Köpfe seiner Mitmenschen schauen kann? Und wenn ja: Kann er auch Gabeln verbiegen wie Uri Geller?
Aber vielleicht ist das alles auch viel profaner gemeint, und Heinz Strache hat bloß im Büro für besondere Angelegenheiten im Innenministerium nachgefragt. Dort weiß man aus beruflichen Gründen das meiste, was im Lande gedacht wird und wer vermutlich daran schuld ist.

Wenn Politiker im Namen ganzer Landstriche zu sprechen beginnen, werde ich immer ein bißchen nachdenklich. Mit Sätzen wie "Die Einwohner von Traiskirchen grüßen die Asylwerber von Alpha Centauri" könnte ich mich zwar abfinden, bei darüber hinausgehenden Aussagen möchte ich aber gefragt werden. Ich spreche mich schließlich auch nicht im Namen aller Kärntner für eine Erhöhung der Asylantenquote aus (was mir auch niemand glauben würde, weshalb das Beispiel zugegebenermaßen ein wenig hinkt). Ganz sicher weiß ich, daß ich seit Silvester nicht daran gedacht habe, daß Wien nicht wie Istanbul werden darf; und schon gar nicht im Zusammenhang mit Kunst, weil es dazu viel zu kalt war. Überhaupt habe ich seit dem Erscheinen des Jahresberichts von Amnesty International nicht mehr an die Türkei gedacht. Meine Gedanken können es also nicht gewesen sein, in denen Heinz Strache geblättert hat (was ich mir sowieso verbitte!). Waren es vielleicht Ihre? Und das stört Sie nicht?
Aber vielleicht stellt sich die Frage auch gar nicht, ob Heinz Strache zwar ein guter Gedankenleser, aber ein schlechter Zuhörer ist, weil das offensichtlich Überirdische aus dem Ausguß einer irdischen Werbeagentur getropft ist. Ganz schlicht. Und schon stehen wir eigentlich einem weiteren Klischeebild aus dem Sisi-Land gegenüber: Die FPÖ wird nie erwachsen werden.

Frei nach dem Motto "Wart nicht erst auf Uri Geller, selber biegen geht viel schneller" bewahrt der EVOLVER wie immer Bodenhaftung und versorgt Sie täglich mit Neuigkeiten von der Kulturfront. Wann es in Wien wie in Amsterdam zugehen darf, wissen wir allerdings selbst noch nicht ...

Der Rest steht im EVOLVER.


Homage an Walter Ernsting. (c) 2005 by Chris Haderer, Vienna

HOMAGE AN WALTER ERNSTING (Clark Darlton)

Am 15. Jänner starb in Salzburg der "Vater der deutschen Science-fiction" und Co-Gründer der Perry Rhodan-Heftromanserie Walter Ernsting. Nachfolgend eine kleine Materialsammlung zu den Sendungen über Walter Ernsting/Clark Darlton, die ich für CROPfm ( Radio Helsinki, Graz) und Radio Augustin (Radio Orange, Wien) gestaltet habe.

CROPfm BIG BROTHER NEWS #40:
Walter Ernsting verstorben.

Themenseite der BIG BROTHER NEWS, die eine Aufzeichnung der Sendung und weiterführende Links enthält. Über diese Seite ist auch der Beitrag für Radio Augustin abrufbar.

Fotoseite zur CROPfm-Sendung

Fotos: Axel Melhardt (links) und Franz Rottensteiner im Interview für die BIG BROTHER NEWS.

"SOS AUS DEM WELTALL"
Video-Dokumentation über den Perry Rhodan-Autor und "Dämonenkiller"-Erfinder Ernst Vlcek und seine Arbeit als "Groschenheftschreiber".

Interview:Peter Hiess, Chris Haderer. Kamera, Schnitt, Gestaltung: Chris Haderer. Wien 2001.

Themenseite "Perry Rhodan."

Zusätzliche Interviews, Bilder und Links zur CROPfm-Sendung über die Perry Rhodan-Serie "Die größte Show des Universums" vom 21. 3. 2004.

Webspace provided by CROPfm.

Videodoku "Frieden und Krieg" (c) by Chris Haderer

PROJEKTDOKUMENTATION "FRIEDEN UND KRIEG."
Ein Fotoprojekt des Wiener Jugendzentrums Back On Stage 5. Videodokumentation von Chris Haderer und Gian Luca Faccio.
 

>>> http://crop.mur.at/g7/fotoprojekt.html


Im Rahmen eines vom Wiener Jugendzentrum Back on Stage 5 durchgeführten Fotoprojekts setzen sich Jugendliche aus der
Türkei, Afghanistan, Pakistan und Mazedonien mit dem Thema "Frieden und Krieg" auseinander. Der vom Fotografen und Künstler Gian Luca Faccio geleitete Workshop wurde von Chris Haderer auf Video dokumentiert. Auf dieser Seite finden Sie eine Sammlung von Videoclips, Radiosendungen und Texten, die das Projekt festhalten.

Chris Haderer Luca Faccio Sarah

  "KRIEG IST ÜBERALL." HINTERGRUND-INFORMATIONEN ÜBER DAS PROJEKT.

Im September wurde am Wiener Jugendzentrum Back on Stage ein Fotoprojekt gestartet, bei dem sich Jugendliche aus der Türkei, Afghanistan, Pakistan und Mazedonien mit „Frieden und Krieg“ auseinandersetzen. Im Rahmen des Projekts wurden nicht nur fotografische Techniken erlernt – im Vordergrund stand vielmehr die Reflexion des Themas, die zugleich zeigt, wie omnipräsent das Bild des Krieges auch in einem Land ist, in dem nicht geschossen wird. "Mich hat interessiert was geschieht, wenn die Jugendlichen etwas über ihre Erfahrungen berichten sollen – allerdings nicht mit Worten sondern mit den Mitteln der Fotografie", sagt der Fotograf Gian Luca Faccio, der den Workshop leitet. Der in Genua geborene und in Wien arbeitende Künstler war selbst bereits fünf Mal in Kriegsgebieten tätig. Durch die Linse des Fotoaparats betrachtet, verdichtet sich die Waffenschau des österreichischen Bundesheeres am Nationalfeiertag zum dumpfen, aufwühlenden Gefühl. Auch ein Besuch im Flüchtlingslager Traiskirchen hat Spuren hinterlassen: was als Auseinandersetzung gedacht war, da einige der am Projekt beteiligten Jugendlichen selbst aus dem Lager kommen, entwickelte sich zum Lehrstück in Sachen "Zensur", wie es Faccio ausdrückt.

Vorläufiger Höhepunkt des "Frieden und Krieg"-Projektes war eine bis Jänner laufende Ausstellung im Amtshaus Margareten., auf der die Fotoarbeiten der Jugendlichen nebst einer Videodokumentation des gesamten Projekts präsentiert wurden. Krieg, so könnte das Credo lauten, hinterlässt überall Spuren. Auch in einem Land, in dem kein Krieg herrscht: der Krieg ist da durch seine Opfer. Krieg beginnt im Kopf. Und wie die Bilder des Back on Stage 5-Fotoprojekts beweisen: Frieden auch. (ch)

 

CROPfm | eco.log | Big Brother News | Artbeat-Startseite 




"... nach dem blau ..." eine begegnung mit friederike mayröcker

Anläßlich des 80. Geburtstags der Autorin und des Erscheinens ihrer "Gesammelten Gedichte" wurde am 17. 9. im "Augustin-Magazin" auf Radio Orange (Wien 94,0; Kabel 92,7) der einstündige Beitrag "... nach dem blau ..." gesendet. Von Chris Haderer & Tina Strauss.

Eine Aufzeichnung des Beitrags im RealAudio-Format FINDEN SIE HIER..

Der nachfolgende Text wurde 1995 für das Magazin AppleL!VE (Ausgabe 2/95; Page-Verlag, Wien) geschrieben. Der Artikel gibt den damaligen Stand von Apples Multimedia-Konzepten recht gut wieder. Einiges davon ist Wirklichkeit geworden, anderes – wie beispielsweise der „Pippin-Player“ – hat sich bereits wieder überlebt.
Alle im Text enthaltenen Daten entsprechen dem Stand des Jahres 1995; lediglich die Links wurden im Jänner 2004 hinzugefügt.


Siehe auch: 20 Jahre Macintosh (1): Die ersten Jahre in Österreich.
Apple-Homepage.

machello

Multimedia für die Seele

Mit dem „New Media Forum ’95“ macht Apple Bestandsaufnahme in Sachen Neue Medien. Beim ersten von vier geplanten Events befaßten sich Genregrößen von John Perry Barlow bis Peter Gabriel damit, wie multimediale Technologien die Grenzen unserer Wahrnehmung erweitern sollen. Schauplatz war Cannes. Text: Christian Haderer.

Auch für Nicht-Cineasten ist es keine Neuigkeit, daß zwischen dem Silicon Valley und der Filmstadt Hollywood mehr als nur eine Romanze läuft. Die Zelluloidmaschinerie hat längst das Potential erkannt und läßt ihre Traumwelten immer öfter von Computerspezialisten generieren. Das Szenario von Filmen wie Tron, Der Rasenmähermann oder Steven Spielbergs Jurassic Park wäre ohne die aktive Mithilfe des Computers nichteinmal halb so realistisch anzusehen gewesen, wie als Lüge auf der Leinwand – was dem Titel von Regisseur James Camerons Special Effects-SpektakelTrue Lies fast prophetische Qualitäten verleiht. Das Zusammenwachsen der Medien ist nicht zu leugnen; Video, Sound, Computergrafik und Text verschmelzen zu etwas Neuem, zum Programm. Nicholas Negroponte, der Direktor des Media Lab am legendären Messachussettes Institute of Technology (M.I.T.) prophezeite im Rahmen einer Diskussion, daß es im Jahr 2000 ein Fernsehgerät mit „einem Apple oder IBM-Logo darauf“ geben wird – „Und irrte“, wie Satjiv Chahil, Vice President der Apple New Media-Gruppe, in seiner Eröffnungsrede des Apple New Media Forum ’95, Untertitel: World Tour ’95, schmunzelnd feststellte: „Wir haben das TV/Videosystem schon jetzt.“ Das zweitägige Forum fand Anfang Mai in Cannes statt, knapp zwei Wochen bevor die „leibhaftigen“ Stars zu den Filmfestspielen anreisten. Insgesamt vier Mal soll es im heurigen Jahr über die Bühne gehen; nach Cannes stehen noch Los Angeles, New York und Tokyo auf dem Reiseplan, ein zusätzliches Gastspiel in Kanada ist im Gespräch. Apple hat diese Veranstaltungsform „als Antwort auf das starke weltweite Interesse an Multimedia und der Erstellung interaktiver digitaler Medien“ entwickelt und an Multimedia-Entwickler adressiert, an „die Berufsgruppe der sogenannten Kreativen, an Künstler, die an interaktiven Projekten arbeiten, und an Geschäftsverantwortliche, die Informationen zu neuen Technologien benötigen.“, umriß Satjiv Chahil die Marschrichtung. „Informationspräsentationen und Fallstudien werden geschäftliche Aspekte sowie kreative oder technische Themen ansprechen, jeweils im Hinblick auf kommerzielle Ziele und auf In-House-Entwicklungen“ – ein bunter Mix aus Vorträgen, Workshops und Produktvorstellungen, bei dem vor allem der persönliche Kontakt zwischen Entwicklern und Interessierten zählte. Wie offen Verlage und Konzerne den neuen Medien bereits gegenüber stehen, wurde im Executive Panel des ersten Forum-Tages deutlich: Namhafte Vertreter der europäischen Medienindustrie, wie etwa Marco Landi (President Apple Europa), Dr. Francesco Tato (Mondadori Group) sowie Baudai, Bertelsmann und Burda setzen auf Apple New Media, On-Line-Technologie und CD-ROM.
Gastredner sorgten für den intellektuellen Background, Developer erhielten die Chance, sich aus nächster Nähe mit neuen Apple-Produkten und Technologien vertraut zu machen, wie etwa QuickTime VR, den neuen World Wide Web-Servern, die Apple neuerdings anbietet, der QuickTime Music Architecture, die das Aufspielen multimedialer Infos auf Musik-CDs ermöglicht, die Bedeutung des MPEG-Kompressionsstandards für die Macintosh-Welt bis hin zur Wahl des richtigen Entwicklungswerkzeuges.
Mit 450 Teilnehmern aus allen Teilen Europas hatte Apple gerechnet – mehr als 750 kamen ins Palais des Festivals, nicht zuletzt von prominent besetzten Gastrednern angelockt, wie dem Musiker Peter Gabriel und John Perry Barlow, dem ehemaligen Texter der Rockgruppe Greatful Death. Im von Kai Krause, dem Programmierer der PhotoShop-Erweiterung Kais Power Tools, moderierten Creative Panel gaben sich beide davon überzeugt, daß die Musikbranche am schnellsten auf die neuen Medien Internet und CD-ROM reagiert. Daß Datenpiraten möglicherweise via Internet zur Verfügung gestellte Songs für eigene Zwecke nützen und illegale Re-Mixes herstellen könnten – das Urheberrecht wird im elektronischen Multiversum der Datennetze zum immer brisanteren Thema – konnte weder Gabriel noch Barlow beunruhigen. „Man muß sich auch damit abfinden, daß eine Menge Leute Deine Lieder singen, die eigentlich gar nicht singen können“, meinte der ehemalige Songtexter und Gründer der Electronic Frontier Foundation, eine Gesellschaft, die sich mit dem Schutz der Privatsphäre des einzelnen im Cyberspace befaßt. Zu groß sind die Möglichkeiten, die interaktive Anwendungen bieten – für Gabriel sogar „ein ideales Mittel um unsere Sicht der Welt, unsere Gedanken zu projizieren und sichtbar zu machen.“

„New Media“ statt „Multimedia“
Vordergründiger Eindruck: Der noch junge Begriff Multimedia wird bereits durch einen Neuen verdrängt – New Media. „Multi“ ist zu klein geworden, ist ein bewegtes Bild auf einem PC-Bildschirm, die Neuen Medien hingegen haben eine umfassende Rekonstruktion unseres Kommunikations- und Informationswesens im Auge. Die verstärken Bemühungen, Apple-Technologie in Non-Computer-Bereichen zu etablieren, wurde von Dr. David Nagel, Senior Vice President Research & Development, Apple, dokumentiert. CD-ROM-Technologie und der noch zu errichtende Daten-Highway werden eine Vielzahl von neuen Dienstleistungen hervorbringen, betonte Nagel in seiner Keynote-Speach; wobei Apple besonderes Engagement im Bereich des Interaktiven Fernsehens zeigt (ITV, Interactive Television). Bereits im Juli 1994 implementierte die Telefonfirma Bell Atlantic die Systemkomponente QuickTime in sogenannte Set-Top-Boxen, mit denen die Funktionen des Bell Atlantic Full Service Network gesteuert werden. Das Netzwerk offeriert neben mehreren Telefondiensten Video auf Abruf (Video on Demand) und Informationskanäle. Zwei weitere Projekte in Brüssel (Belgacom) und im Osten von London (British Telecom) wurden ebenfalls mit den von Apple entwickelten Interactive TV Boxes ausgestattet und bringen futuristischen Wind ins Fernsehleben von 2.500 englischen und 50 belgischen Haushalten. In Deutschland stattet Vebacom derzeit Testhaushalte mit Apple Interactive TV-Boxen aus. Ebensogroße Bedeutung mißt Nagel der Verbreitung von Multimedia-Programmen via CD-ROM zu; auch in Verbindung mit Telefonleitung oder Kabelanschluß, wie etwa ein auf CD-ROM ausgelieferter Versandhauskatalog, mit dem interaktiv bestellt werden kann. Für Nagel eine gute Gelegenheit, Apples Multimedia-Player Pippin vorzustellen. Das kleine Gerät besteht im Wesentlichen aus einem 4fach Speed CD-ROM Laufwerk mit PowerPC Chip, welcher am Fernsehgerät angeschlossen werden kann. Somit können Spiele und Lern-CDs direkt mit den Kids am TV-Monitor ablaufen. Definitiv nicht als Computer bezeichnet (und bar jeglichen Keyboards) soll Pippin zu einem Standard herangedeihen. Durch die Verwandtschaft mit dem Macintosh können bestehende CD-ROMs ohne großen Aufwand für Pippin adaptiert werden, umgekehrt laufen Pippin-Produktionen ohne jegliche Modifikation auf dem Macintosh. Dennoch: Dem Auditorium konnte es nicht visionär genug sein. „Vor drei Jahren haben Sie uns vorgeworfen, wir würden oft große aber unrealistische Ideen verbreiten“, interpretierte Satjiv Chahil, der mit seinem indischen Akzent jeden englischen Satz so ausspricht, als würde er ein kleines Wunder beschreiben. „Heute zeigen wir Ihnen funktionierende Produkte und plötzlich sind wir zu realistisch. Hm.“

„Data isn’t Wisdom!“
„Jeder Einzelne von uns hat mehr Macht im kleinen Finger als alle römischen Imperatoren zusammen“ – und gegeben hat uns diese Macht der Computer. Dieser Ansicht ist James Burke, Keynote-Speaker am zweiten Tag des Forums. Burke, der als Autor und Host für das englische Fernsehen tätig ist (und für seine Technologie-Programme mehrfach ausgezeichnet wurde), brachte das Zusammenwachsen der Medien auf den Punkt: Die Quantität der Information wächst, aber: „Data isn’t Wisdom“, relativiert Burke: Daten ≠ Klugheit. Die zunehmende Vernetzung durch lokale Mailboxen-Systeme, das Internet und On-Line-Service-Anbieter wie CompuServe führt dazu, daß die Information an sich an Wert verliert, der Weg zu ihrer Erlangung hingegen im Vordergrund steht. Mit anderen Worten: Wozu die Bürgschaft auswendig lernen, wenn man weiß, in welchem Regal das Buch steht? Und: Wir werden uns daran gewöhnen müssen, das es kein nebeneinander der unterschiedlichen Medien wie Fernsehen, CD, Video oder Druckwerken gibt sondern ein miteinander. Wir werden aufhören, von dem CD-Player, dem Telefon oder dem Computer zu sprechen, weil sie ineinander aufgegangen sind. Und, so Burke, wir werden uns auch daran gewöhnen müssen, daß wir Information nicht mehr „besitzen“ werden wie man ein Buch besitzt – in der vernetzten Gesellschaft werden uns die Datententakel vom Video bis zur Madonna-Biografie jede gewünschte Information von „irgendwo auf der Welt“ herholen und sie uns zur Verfügung stellen „solange wir sie brauchen. Was in den nächsten 50 Jahren auf uns zukommt, wird uns alles, was davor war, wie in Zeitlupe erscheinen lassen.“ Schlechte Zeiten für Sammler und eine Herausforderung für die Entwickler, „die vor der Aufgabe stehen, die Möglichkeiten des Menschen zu erweitern, nicht ihm seine Seele zu nehmen.“


Zitate
„Multimedia ist ein ideales Mittel um unsere Sicht der Welt, unsere Gedanken zu projizieren und sichtbar zu machen.“ Peter Gabiel

„Was in den nächsten 50 Jahren auf uns zukommt, wird uns alles, was davor war, wie in Zeitlupe erscheinen lassen.“ James Burke, TV-Autor

„Man muß sich auch damit abfinden, daß eine Menge Leute Deine Lieder singen, die eigentlich gar nicht singen können“ John Perry Barlow zum Thema Urheberrecht im Cyberspace.

„Ich habe gute Neuigkeiten für Sie: Ich lasse meine Schlußrede ausfallen, damit wir früher an den Strand gehen können. Es ist wunderbar draußen.“ Satjiv Chahil, Vice President Apple New Media.

„Jeder Einzelne von uns hat mehr Macht im kleinen Finger als alle römischen Imperatoren zusammen.“ James Burke, TV-Autor

„Newton-Produkte kommen dem Anwender in vielerlei Hinsicht mehr entgegen als ein teurer und leistungsfähiger Power Mac. Denken Sie darüber nach: Warum muß ich einen Computer überhaupt einschalten, warum registriert er nicht, daß ich da bin? Die neuen Medien zwingen uns zum Umdenken.“ Frank Casanova, Apple Advanced Technology Group.


Wer was wann in Cannes
Die wichtigsten Fakten des Apple New Media Forum ’95
Veranstaltungsort: Palais des Festivals, Cannes
Veranstaltungsdauer: 3. und 4. Mai

Die prominentesten Gastredner:
• Dr. David Nagel, Senior Vice President Research & Development Apple-Computer: „Apple’s Directions in Multimedia“.
• Marco Landi, President Apple Computer Europe
• Sativ Chahil, Vice President New Media, Apple: „Back to the real world“.
• John Perry Barlow, Autor, Aktivist, EFF-Gründer
• Peter Gabriel, Musiker
• James Burke, TV-Autor, Moderator, Lehrer: „A Visionary Look At Our Industry”.
• Kai Krause, Programmierer, Executive Vice President und Mitbegründer von HSC-Software (Kais Power Tools, Bryce).
• Michael Backes, Drehbuchautor, Konsulent (Abyss, Jurassic Park)


Multimedia-Fakten (Stand: 1995)
Nackte Zahlen aus der Apple Multimedia-Welt
• 35% der Konsumenten bevorzugen den Macintosh als Multimedia-Plattform, 34% OS/2 oder WINDOWS, 16% schwören auf Workstations.(1)
• Der Anteil Multimedia-fähiger Macintosh-Computer(*) beträgt mehr als 60% und steigt.(2)
• 64% aller Multimedia-Käufer verwenden Apple QuickTime, 31% das „Konkurrenzprodukt“ Video for Windows.(1)
• 1993 verkaufte Apple weltweit über eine Million CD-ROM Player.(2)
• 33% aller Macintosh-Titel sind Multimedia-Anwendungen.(5)
• Bis zum Jahresende wird der weltweite Bestand an Multimedia-fähigen PCs etwa 17 Millionen betragen, wovon sich Apple einen 32%igen Marktanteil erwartet.(3)
• Zwei von drei Multimedia-Entwicklern arbeiten mit dem Macintosh.(4)

(*) versteht sich lt. Apple-Eigendefinition als farb-, grafik- und soundfähiges Gerät mit SCSI-Schnittstelle. (1) Quelle: Market Vision 1993 Buyer Survey. (2) Quelle: Apple. (3) Quelle: Economics of Multimedia Title Publishing, SIMBA Information. (4) Quelle: Dataquest. (5) Quelle: Pelican Island Information. Alle Angaben ohne Gewähr.

Siehe auch: 20 Jahre Macintosh (1): Die ersten Jahre in Österreich
(c) by Chris Haderer

20 Jahre Macintosh, (I)

Der Nachfolgende Text erschien am 25. 2. 1997 in der heute leider nicht mehr existierenden Zeitschrift AppleTime im Wiener Page-Verlag. Er spiegelt die Entwicklung von Apple in Österreich recht gut wieder.

Siehe auch: 20 Jahre Macintosh (2): New Media-Forum 95 in Cannes

machello
Foto: (c) Apple-Computer


Das Ende einer Legende

Beim Kult-Computerbauer Apple wird dieser Tage heftig gefeiert. Wie die Besitzer von Apple-Aktien wissen, hat die ausgelassene Stimmung nichts mit den Billanzen zu tun sondern mit gleich drei Jubiläen. Am 20. 2. 97 feierte die Firma mit dem bunten Apfel im Logo in der A2 Laserdisco in Vösendorf ihren zwanzigsten Geburtstag. Unterstützt wurde der Erfinder des Personal Computers von den Apple-Friends, die ihr fünfjähriges Bestehen als Apple-Händler feierten; sowie ideologisch von der Wiener Macintosh-Zeitschrift "AppleTime", die es auf 10 Dienstjahre gebracht hat.

Vom historischen Standpunkt aus betrachtet, ist das Jahr 1987 bemerkenswert ereignislos verlaufen. Im Kernschatten der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die im April des Vorjahres für kollektive Endzeitstimmung gesorgt hatte und der Öffnung der Ostgrenzen Anfang der 90er war es nicht leicht, Geschichte zu schreiben. Was stattfand, hätte durchaus auch in einem anderen Jahr passieren können, ohne daß sich der Lauf der Welt entscheidend verändert hätte. Klaus Barbie, der als "Schlächter von Lyon" bekannte Nazi-Verbrecher wurde zu lebenslanger Haft verurteilt; der neunzehnjährige Sportflieger Martin Rust landete mit seiner Cessna auf dem Roten Platz in Moskau; in Deutschland schickt der Große Bruder verspätete Grüße mit der Einführung des maschinenlesbaren Personalausweises; und Regisseur David Lynch schafft mit "Blue Velvet" den kommerziellen Durchbruch. Die Computerwelle schwappte auf Europa über - und noch ehe die Generation X in aller Munde war, wurde von William Gibson mit seinem Bestseller NEUROMANCER, dessen deutsche Ausgabe drei Jahre auf ihre Übersetzung warten mußte, auch schon die Generation @ geboren.

Daß im April '87 auch die erste Ausgabe der AppleTime erschien (acht Seiten Umfang, nicht durchnummeriert) ist ein von der Geschichtsschreibung weitgehendst unbeachtetes Detail, das vor allem im Rückblick eine bemerkenswerte Qualität erlangt: Der auf dem Cover der Erstausgabe abgebildete Macintosh SE (mit dem das Heft auch gelayoutet wurde), erlebte sein zehnjähriges Jubiläum nicht - das klassische Design, dessen Grundfläche nach dem Wunsch von Steve Jobs nie größer als ein Telefonbuch sein sollte, wurde 1993 mit der Einstellung der Classic-Linie zu Grabe getragen.

Erste Schritte

Apple Computer wurden in Österreich zunächst von der Zema-Handelsgesellschaft vertrieben, mit der Mag. Franz Zechner bis 1982 etwa 800 Rechner in Umlauf brachte (was einem Jahresumsatz von etwa 50 Millionen Schilling entsprach). Angetan vom guten Verkaufsergebnis kündigte Apple International daraufhin Zechner den Distributionsvertrag und lieferte selbst aus München an ein Zentrallager in Salzburg - eine in der damals noch jungen Branche übrigens gerne angewandte Politik. Die US-Companies bedienten den eutopäischen Markt über exklusive Distributionsverträge. Erwirtschaftete ein Händler ein überdurchschnittliches Ergebnis, wurde er durch eine Geschäftsstelle des Herstellers ersetzt.

Apple ging noch einen Schritt weiter: Nicht Jedermann sollte die exklusiven Apple-Rechner unters Volk bringen dürfen, sondern nur ein Netz handverlesener Apple-Händler. Das Argument vom anspruchsvollen Kundenservice, mit dem der damalige Country-Manager Dieter Euler-Rolle den Vertrieb kanalisierte, ist heute zur Mär geworden. In Zeiten des box-moving und bei fallenden Margen ist kein Platz für kostenlosen Support mehr.

Zeitalter der Magie

Anfang der 80er Jahre gab es ein Weltreich zu entdecken - und zu besetzen. Überall gärten die Visionen, wie der Personal Computer unser Leben verändern würde. Was immer man Apple-Gründer Steve Jobs heute vorwirft - damals glaubte er tatsächlich daran, mit dem Macintosh (und vielen vom legendären Palo Alto Research Center entliehenen Betriebssystem-Konzepten) ein neues Zeitalter einzuläuten. Daß Apple heute ein auf Sitcom-Niveau abgesunkener Akteur unter vielen ist, liegt am schlechten Spiel des Managements und der Arroganz der California-Boys gegenüber dem Rest der Welt. Seine Macher betrachteten den Macintosh als etwas Überirdisches, das ein Genie den Göttern entrissen hatte, um es den Menschen zum Geschenk zu machen (die dazu bereit sein sollten, und hier hoplert die Theorie ein wenig, jeden Preis dafür zu bezahlen).

Als Apple Anfang der 90er Jahre seinen vorläufigen Höhepunkt auf der Beliebtheitsskala erreichte, war das Zeitalter der Magie längst vorüber. Der Personal Computer war aus dem Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken, und auch im privaten Bereich hielt er verstärkt Einzug: heute sind mehr als 50 Prozent aller deutschen Haushalte mit Kindern unter 15 Jahren mit einem PC bestückt. Wir haben Computer akzeptiert; wissen, daß sie im Prinzip zu den unglaublichsten Dingen fähig sind. Per Mausklick um den Globus gejagte E-Mails verblüffen uns nicht mehr; Video-CDs und Multimedia-Anwendungen gehören zum Alltag.

1976, als Steve Wozniak den Apple I zusammenlötete, war das alles Neuland. Es gab keine grafischen Betriebssysteme, keine per Maus bedienbaren Programme - überhaupt gab es den Personal Computer noch nicht. Auch der Apple I, der zur Gründung von Apple-Computer führte, war als einfaches Board ohne Tastatur nur für Bastler interessant. Erst seine Nachfolgemodelle und der im Orwelljahr 1984 vorgestellte Ur-Macintosh riefen schlußendlich eine Industrie ins Leben, die heute nach der Automobilindustrie sowie dem Waffen- und Drogenhandel auf Platz Vier der Weltrangliste liegt.

Die Wandlung

Wenn man ehrlich ist, gab es für Apple kaum eine Zeit - auch nicht im Glücksjahr '91, in dem Apple mehr Personal Computer verkaufte als IBM - in der nicht gerade eine Krise ins Haus stand. Wechsel auf Führungsebene erfolgten nie auf Wunsch der Betroffenen sondern als Initialzündung für neue Sanierungspläne. Steve Jobs wurde von seinem Nachfolger, dem ehemaligen Pepsi-Manager John Sculley, auf Geheiß des Vorstands vom Podest gestoßen - was sich Apple eine Menge kosten ließ. Immerhin erhielt Sculley eine Million Dollar Jahresgehalt, eine weitere Million als Abfindung sowie 350.000 Optionen auf Apple-Aktien, deren Wert damals auf etwa 50 Millionen Dollar geschätzt wurde. Scully war keiner von den Helden der ersten Stunde, kein Evangelist sondern ein Geschäftsmann. Er wollte die Position des Macintosh stärken und kündigte Allianzen mit ehemaligen Branchgegnern an.

Auf Sculley folgte der gebürtige Deutsche Michael "The Diesel" Spindler, der dem ungeliebten Engagement für den Newton und den Consumer-Markt einen Riegel vorschob. Die Ära Spindler brachte den Umstieg auf PowerPC-Chips und damit den Abschied vom klassischen Macintosh, Lieferschwierigkeiten, weltweite Reparaturaktionen schadhaft ausgelieferter Boards - und erstmals auch Wahrhaftigkeit. Noch nie zuvor hatte Apple zugegeben, daß auf Management-Ebene einiges schief lief. Nach einigen Gerüchten um den drohenden Verkauf von Apple an Sun Microsystems wurde Spindler 1996 durch den als harten Sanierer bekannten Gilbert Amelio ersetzt. Wie die seiner Vorgänger, handelte auch Amelios Antrittsrede von der Reorganisation des Unternehmens - die erst kürzlich ihren Niederschlag im Kauf von NeXT Computer gefunden hat.
Das alles läßt den Eindruck aufkommen, daß Apple eine ganz normale Computerfirma ist, wie sie seit den Achtziger Jahren zu Tausenden gibt.

Only Bad News are Good News

Vor kurzem wurde in einem Online-Diskussionsforum auf der Wiener Mailbox magnet die Behauptung aufgestellt, daß die Journalisten die eigentlichen Verursacher der Stürme sind, die Apple durchfahren muß. Das ist eine kühne These, über die man streiten kann. Tatsache ist aber, daß die Medien Apple ein Vielfaches jener Aufmerksamkeit zukommen lassen, die einem Unternehmen mit knapp fünf Prozent Marktanteil gebührt. Konkurse haben in der Apple-Welt seit jeher für mehr Aufsehen gesorgt, als in der von Händlern dichtgedrängten Wintel-Welt. Zumal auch die Händler selbst ein leidlich schadenfrohes Völkchen sind, mit einem spürbaren Hang zur Selbstzerfleischung. Spektakulär war der Konkurs von Gaiger Computer im September 1991. Trotz seinem Asyl in der BGS Daustrab-Gruppe schloß Martin Gaiger die Pforten mit einer Überschuldung von 50,7 Millionen Schilling (Quelle: Cash Flow 1/93). Mit in den Abgrund stürzte die angegliederte Softwarehandelsfirma Economics.

Im November 1994 ging das zur Digitech-Gruppe gehörende Apple Center McLine in den Konkurs. Nach dem Abgang des Uni-Spezialisten Dr. Schindler im Frühjahr '94 das zweite prominente Opfer innerhalb weniger Monate. Die Gründe dafür ortetete der damalige Country-Manager Robert Zehetleitner (von der Steirerbräu kommend heute bei der Baseler Versicherung) nicht im unmittelbaren Umfeld von Apple. Gerüchte sprachen sowohl von einem durch schlampige Buchhaltung erwirtschafteten Schuldenberg wie auch von verschwundenen Geräten. "Für Apple bedeutet der Konkurs eines Händlers einen Imageverlust.", kommentierte Zehetleitner.

Zusammen mit seinem Kompagnon Walter Kuntner hat Hard+Soft Geschäftsführer Ewald Maly die "Kurve gerade noch rechtzeitig gekriegt." Heute gehen die beiden getrennte Wege; Anfang der 90er jedoch, als das Geschäft noch boomte, verging keine Woche, in der das Duo nicht mit einer neuen Firmenbeteiligungen von sich reden machte. "Das war zeitweise ein größenwahnsinniger Höhenflug", meint Maly, zu dessen kapitalen Pleiten das gescheiterte NeXT-Center-Projekt zählt. Zuerst ließ die Anwendersoftware auf sich warten, dann, als der Markt ein bißchen ins Laufen kam, stellte NeXT über Nacht die Hardwareproduktion ein. Maly schaut gelassen auf das Disaster zurück. "Wäre das anders ausgegangen, dann hätte man gesagt: Da schaut's her, Kuntner und Maly haben wieder einen Riecher gehabt. So ist es halt genau umgekehrt gewesen: Da, schauts an, Kuntner und Maly sind schon wieder in die Scheiße gestiegen."

Wir Journalisten haben uns auf diese Katastrophen gestürzt, als gäbe es kein Morgen. Tausend Mal haben wir nicht nur das Sterben der Händler (von denen es vielen überraschend gut geht) sondern auch das baldige Ende von Apple vorausgesagt. Mit dem Ergebnis, daß es zwar einige Händler nicht mehr, Apple dafür aber immer noch gibt. Man wird Apple auch in Zukunft größere Aufmerksamkeit widmen, weil - trotz aller Pleiten und Fehlschläge - das Unternehmen als Erfinder des Personal Computers einfach nicht ignoriert werden kann. Der Kult ist Anfang der 90er-Jahre, als Apple kurz den Versuch machte, auch in den niedrigpreisigen Heim-Markt vorzustoßen, zerbröckelt. Die meisten Anwender sind keine Evangelisten - sie wollen einfach, daß die Kiste läuft.

Damit hat sich zumindest die Vorhersage des Apple-Liebhabers Guy Kawasaki erfüllt: "Der Macintosh begann als Vision, wurde dann zum Produkt, das von einem Kult getragen wurde schließlich zu einer von Millionen von Anwendern propagierten Sache."

(c) by Chris Haderer. All Rights Reserved. Eine prä-digitale Version dieses Artikels erschien (in veränderter Form) in der AppleTime 1/97, PAGE-Verlag, Wien.

Siehe auch: 20 Jahre Macintosh (2): New Media-Forum 95 in Cannes
(c) by Chris Haderer.

liegezelle_01

DIE NEUEN KOMFORT-TELEFONZELLEN DER TELEKOM.

Mit neuen Ideen und einem serviceorientierten Konzept soll das österreichische Telefonzellen-Netz wiederbelebt werden.

Wien. Die Tatsache, dass der Mobilfunk floriert während der Festnetz-Markt dramatische Umsatzeinbrüche hinnehmen muss, ist wohl der Motor für einen interessanten "Re-Animationsplan" der Telekom. Da immer mehr potenzielle Mobilfunk-Kunden anhand transzendenter Bonitätsdatenbanken vom Handy-Vergnügen ausgeschlossen werden, sind die in allen Ortschaften Österreichs aufgestellten Münz- und Karten-Telefonzellen wieder in den Mittelpunkt des kaufmännischen Interesses gerückt. Die Problematik: ein Großteil der Telefonzellen ist in einem katastrophalen Zustand. Am Montag will der Telekom-Vorstand einen Aktionsplan absegnen, der das österreichische Telefonzellen-Netz in den nächsten zwei Jahren modernisiert und auf einen einheitlichen Standard bringen soll. Überlegt wird auch die Installation von neuartigen Komforttelefonzellen, wie sie seit geraumer Zeit im sechsten Wiener Gemeindebezirk gegenüber dem Cafe Sperl getestet werden. Das Zellentrio soll vor allem ein Lifestyle-Publikum ansprechen, das auch gegenüber Telefon-Events im Liegen keine Vorurteile hegt. Sollte sich das - übrigens auch platzsparende - Modell bewähren, wird es österreichweit umgesetzt.

liegezelle_02 liegezelle_03
Bilder: Komfort-Telefonzellen-Testinstallation in Wien.

 
resident of twoday.net
powered by Antville powered by Helma
AGBs xml version of this page xml version of this page (summary) xml version of this topic