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FutureSense

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Nachfolgend finden Sie alle "FutureSense"-Postings nach dem Datum ihrer Veröffentlichung gereiht.


Demokratische Politik
„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei
gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“
Premierminister von Luxemburg Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie (SPIEGEL 52/1999)

(Unredigierte Originalversion eines Beitrags für www.diemucha.at; Autor: Chris Haderer)

FAIR PLAY

Der Handel mit Waren und Rohstoffen ist ein bisweilen schmutziges Geschäft. Die FAIRTRADE-Kampagne will für faire Geschäfte mit Zulieferern aus der Dritten Welt sorgen.

Link: FAIRTRADE

Kaffee, Tee, Schokolade, Obst, Bekleidung – wir alle schauen beim Einkaufen auf beste Qualität. Im gelebten Alltag bedeutet das in der Regel den Griff zu Markenprodukten – die in vielen Fällen aber unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt werden (detaillierte Informationen darüber finden Sie in der Story Markenfirmen am Pranger). Zum Beispiel: Jeans aus dem Hause Lewis-Strauss mögen zwar gut aussehen, das "Schwarzbuch Markenfirmen" wirft den Levis-Zulieferern jedoch zahlreiche "Verfehlungen" vor, von ausbeuterischen Beschäftigungsmethoden bis zur sexuellen Nötigung der Mitarbeiterinnen. Vor allem internationale Großkonzerne sind mit Regelmässigkeit in der "Best-of-Böse"-Liste der Schwarzbuch-Autoren Klaus Werners und Hans Weiss zu finden. Ausgebeutet werden vornehmlich Dritte-Welt-Länder; aber auch in Fabriken in ehemaligen Oststaaten kommt es immer wieder zu derartigen Vorfällen.

Produktion nach ethischen Grundsätzen

Laut einer Umfrage des Linzer Marktforschungsinstitutes "market" (Sample: 400 Personen) wünscht sich "eine große Mehrheit der Österreicher Produkte, die nach ethischen Grundsätzen – beispielsweise ohne Kinderarbeit oder unter Schonung der Umwelt – also sozusagen fair produziert wurden und würde sie auch kaufen, selbst wenn sie etwas teurer sind." Eine solche "faire" Alternative zur Mehrheit der oft unter undurchschaubaren Umständen hergestellten Mainstream-Handelswaren wollen die Produkte der FAIRTRADE Initiative sein (die unter anderem von der Caritas, dem WWF, der Unicef, der Dreikönigsaktion, Care, der Europäischen Kommission und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt wird).
"FAIRTRADE selbst betreibt keinen Handel, sondern vergibt das Soziale Gütesiegel für Fairen Handel", beschreibt FAIRTRADE Österreich die Organisationsstruktur. "Die Weltläden, Bio- und Naturkostläden sowie alle namhaften Lebensmittelketten führen inzwischen FAIRTRADE Produkte. Durch die steigenden Verkaufszahlen im Rahmen des Fairen Handels sind immer mehr Kleinbauernfamilien und PlantagenarbeiterInnen aus benachteiligten Regionen des Südens in der Lage ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen dauerhaft verbessern."
Das dahinterstehende Prinzip: "Die ProduzentInnen erhalten für die Rohstoffe faire Preise, unabhängig von den Weltmarktpreisen. So kann eigenverantwortlich gewirtschaftet werden, die Menschen in den Entwicklungsländern können ihre Existenz weitgehend sichern und soziale Mindeststandards in punkto Gesundheit und Bildung erreichen. Die KonsumentInnen erhalten geschmackvolle, qualitativ hochwertige Lebensmittel. Diese kommen auf direktem, kontrolliertem Weg von den Entwicklungsländern nach Europa - mit Ursprungsgarantie. Sie können mit gutem Gewissen genießen - Produkte mit dem FAIRTRADE-Siegel: Die Garantie für fair-trade mit den Entwicklungsländern." Die Herkunft der FAIRTRADE Produkte ist außerdem eindeutig nachweisbar: so werden beispielsweise die Bio-Bananen seit nunmehr fünf Jahren vom Familienbetrieb Pablo Prieto in der Provinz El Oro im Südwesten von Ecuador geliefert.
FAIRTRADE Kaffee wiederum wird traditionell angebaut, "was sehr viel Handarbeit und Mühsal bedeutet", erklärt Gregorio Moreno von der Kooperative Tiemelonlá Nich K Lum. "Wir wissen sehr wohl, wenn wir uns auf dem Markt behaupten wollen, müssen wir eine hohe Qualität halten."

Wo bekommt man FAIRTRADE Produkte?

FAIRTRADE Produkte werden österreichweit von folgenden Handelsketten geführt:

Adeg Aktiv, Adeg Contra, Magnet, Neukauf: Kaffee, Tee, Kakao, Orangensaft, Schokolade, Bio-Bananen.
BILLA: Bio-Bananen in allen größeren Filialen.
DM-Dorgeriemarkt: Kaffee, Orangensaft in allen größeren Filialen.
Eurospar, Interspar, Spar Gourmet, Spar: Bio-Bananen, Kaffee, Kakao, Orangensaft, Rohrzucker, Schokolade, Tee.
Merkur: Bio-Bananen, Honig, Kaffee, kakao, Orangensaft, Schokolade, Tee.
Zielpunkt: Kaffee.
A&O, Nah&Frisch: Kaffee, Orangensaft.

FAIRTRADE Produkte werden außerdem in Naturkostläden, Eine Welt Läden und Weltläden geführt; sowie in lokalen Supermärkten und Zustelldiensten (eine Liste finden Sie hier) und im EZA Dritte Welt GesmbH – Online Shop. Auch in Restaurants lohnt es sich, nach FAIRTRADE Produkten zu fragen.
FAIRTRADE Produkte sind ausserdem durch ein spezielles Logo als solche gekennzeichnet (siehe Bild am Ende des Textes).

Werden Sie "FAIRTRADE Aktionär"

Was uns beim Griff ins Billa-, Meinl-, Hofer- oder Merkurregal normalerweise nicht durch den Kopf geht: In Lateinamerika, Afrika und Asien leben Millionen von Kleinbauernfamilien in schwerer Armut, weil sie durch unfaire Handelssysteme ausgebeutet werden. "Auch Kinderarbeit gehört zur traurigen Realität", weiß FAIRTRADE Österreich. "Weltweit müssen nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ungefähr 250 Millionen Kinder zwischen 5-14 Jahren arbeiten, davon rund 120 Millionen ganztags. Oft sind die Arbeitsbedingungen schrecklich, die Bezahlung miserabel und die Arbeitstage lang. Häufig ist ein Schulbesuch ebenso wenig möglich wie eine Berufsausbildung." FAIRTRADE ist ein Ansatz, dieses Ausbeutungssystem zu ändern und menschenwürdige Bedingungen zu schaffen. FAIRTRADE kann aber nur funktionieren wenn es genügend Menschen gibt, die einen fairen Handel unterstützen. Das kann durch den Kauf von FAIRTRADE Produkten geschehen oder auch durch die Zeichnung einer so genannten "FAIRTRADE-Aktie" (im Wert von 40 Euro pro Stück). "Die FAIRTRADE-Aktie ist eine konkrete Möglichkeit für jeden, die Welt ein wenig fairer zu machen", heißt es bei FAIRTRADE Österreich. Dementsprechend ist das Papier auch keine "echte" Aktie, denn sie "wirft keine Dividende ab und Sie erhalten Ihr Geld nicht mehr zurück. Sie ist für alle, die ihr Geld in ein Herzensanliegen investieren möchten." Zur Zeit unterstützen etwa 3.500 Österreicher das FAIRTRADE Projekt als "Herzens-Aktionäre."

Jahr der Fairness?

2003 ist nicht nur das "Jahr des Wassers" – es ist auch das "Jahr der Fairness." Dem Motto entsprechend hat die Initiative im Frühjahr prominente Unterstützung durch Bundespräsident Klestil erhalten, der die Präsidentschaftskanzlei auf FAIRTRADE Produkte umstellen ließ (bei Familientreffen mit Krone-Herausgeber Hans Dichand werden nun fair hergestellter Kaffee, Tee und Orangensaft geschlürft). "Jeder Mensch möchte fair behandelt werden. Vorraussetzung dafür ist, dass wir selbst fair handeln. FAIRTRADE Produkte bieten eine Möglichkeit, diesen Vorsatz in die Praxis umzusetzen. Was mich besonders beeindruckt ist der Umstand, nicht durch Almosen das eigene Gewissen zu beruhigen, sondern aktiv zu einer gerechteren Lebenswelt beizutragen," so Bundespräsident Dr. Klestil.
Relativiert werden Klestils wohlmeinende Worte allerdings durch die Realität: während der Bundespräsident von fairen Handelbeziehungen schwärmt, sitzen seine beamteten Adlaten beim Ministertreffen im mexikanischen Cancun und beraten über das GATS-Abkommen. Dieses Abkommen, das von Minister Bartenstein gerne als "Liberalisierung des Marktes" bezeichnet wird, läuft auf ein Öffnen aller Märkte für internationale Konzerne hinaus. Von fairem Handel ist da nicht viel zu bemerken (wie sie auch in der Story Der Privatisierungswahnsinn nachlesen können). Somit ist Thomas Klestils Unterstützung des FAIRTRADE Projekts nicht viel mehr als ein medienwirksames Lippenbekenntnis.

Die Zukunft von FAIRTRADE (und damit auch die Zukunft der Zulieferer) liegt einzig und alleine in der Hand von mündigen Konsumenten – und Menschen.

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Chris Haderer/ArtBeat
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