QUELLE: Editorial des EVOLVER-Newsletter #57 [2. 6. 2003]
Haben Sie schon vom schönen "Lebensministerium" gehört oder fallen Ihnen zu diesem Begriff bestenfalls die Monty Pythons mit ihrem legendären "Ministry of Silly Walks"-Sketch ein? Gut, das ist ohnehin schon ziemlich nah dran, denn das Vermächtnis der britischen Schmähführertruppe wird am Wiener Stubenring 1 liebevoll gehegt, gepflegt und erweitert.
Zu verdanken haben wir die Freude einem Herrn namens Josef Pröll, der konsequent auf eine eigene Seite im "Guinness Book of Records" hinarbeitet. Als Molterer-Nachfolger (Amtszeit: 99 Monate) ist Pröll (derzeit knapp 14 Wochen im Amt; zum Zeitpunkt, an dem dieser Text geschrieben wurde, also am 2. 6.) nicht nur ein ordinärer Bundesminister, nein, da bliebe zuviel Platz auf der Visitenkarte - Pröll ist (in alphabetischer Reihenfolge): Forstminister, Landminister, Lebensmittelminister, Umweltminister und Wasserminister. Diese enorme Bandbreite kulminiert, so einmal nicht genug Zeit für eine ausführliche Vorstellung bleibt, im bescheidenen Titel "Lebensminister".
Das gibt wahrscheinlich nicht nur mir zu denken - alleine der Semantik wegen möchten sich Nacken- und Achselhaare steil nach oben richten. Denn verglichen mit der Funktion eines Finanzministers verheißt Lebensminister nicht wirklich Gutes - außer Sie empfinden es irgendwie als Fortschritt, in Zukunft mindestens 50 Prozent Ihres Lebens am Eingang nach Österreich abzugeben (die andere Hälfte gehört ohnehin dem bereits angesprochenen Finanzminister). Ich jedenfalls sorge mich; weniger um die Republik als vielmehr um deren Insassen und vor allem um mich. Ich hoffe wirklich, daß Pröll nicht an der Größe seiner Aufgabe scheitert - als Lebensminister ist er ja für praktisch alles zuständig, was zwischen Dornbirn und Hadersdorf passiert oder auch nicht - und wie einst Vicky Klima, derzeit Aszendent der VW-Geschäftsleitung in Argentinien, einfach den Hut draufhaut, weil ihm keiner beim Bemalen der Alpen oder beim Dreckausgraben in der Mitterndorfer Senke hilft. (Ich könnte wenigstens beim Titelausdenken behilflich sein: Schwerelosigkeitsminister hat mir immer gut gefallen, und Perfunsationsminister wollte ich als Kind schon selber werden.)
Laut dem weithin unterschätzten Insider-Werk "Der Brockhaus" hat der sogenannte Minister seinen Ursprung in den Begriffen "Diener", "Gehilfe" oder "der Geringere". Vermutlich muß Letztgenannter dem Staat ziemlich dankbar sein, daß ihm dieser ein Haus zur Verfügung stellt, wo er mit seinesgleichen den Arbeitstag verbringen kann und außerdem noch Papier und Bleistifte kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt. Nur - wie sollen wir die Hütte treffend nennen, wo doch die besten Namen, wie beispielsweise "Gruft" oder "Pavillon 23" schon an andere Häuser vergeben sind?
Egal. Lesen Sie den EVOLVER, übernehmen Sie nach der Lektüre irgendein auswärtiges Amt und sorgen Sie gefälligst dafür, daß meine Spesenabrechnungen stets pünktlich beglichen werden.
Der Rest steht im EVOLVER-Newsletter...
Chris Haderer/ArtBeat
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Haben Sie schon vom schönen "Lebensministerium" gehört oder fallen Ihnen zu diesem Begriff bestenfalls die Monty Pythons mit ihrem legendären "Ministry of Silly Walks"-Sketch ein? Gut, das ist ohnehin schon ziemlich nah dran, denn das Vermächtnis der britischen Schmähführertruppe wird am Wiener Stubenring 1 liebevoll gehegt, gepflegt und erweitert.
Zu verdanken haben wir die Freude einem Herrn namens Josef Pröll, der konsequent auf eine eigene Seite im "Guinness Book of Records" hinarbeitet. Als Molterer-Nachfolger (Amtszeit: 99 Monate) ist Pröll (derzeit knapp 14 Wochen im Amt; zum Zeitpunkt, an dem dieser Text geschrieben wurde, also am 2. 6.) nicht nur ein ordinärer Bundesminister, nein, da bliebe zuviel Platz auf der Visitenkarte - Pröll ist (in alphabetischer Reihenfolge): Forstminister, Landminister, Lebensmittelminister, Umweltminister und Wasserminister. Diese enorme Bandbreite kulminiert, so einmal nicht genug Zeit für eine ausführliche Vorstellung bleibt, im bescheidenen Titel "Lebensminister".
Das gibt wahrscheinlich nicht nur mir zu denken - alleine der Semantik wegen möchten sich Nacken- und Achselhaare steil nach oben richten. Denn verglichen mit der Funktion eines Finanzministers verheißt Lebensminister nicht wirklich Gutes - außer Sie empfinden es irgendwie als Fortschritt, in Zukunft mindestens 50 Prozent Ihres Lebens am Eingang nach Österreich abzugeben (die andere Hälfte gehört ohnehin dem bereits angesprochenen Finanzminister). Ich jedenfalls sorge mich; weniger um die Republik als vielmehr um deren Insassen und vor allem um mich. Ich hoffe wirklich, daß Pröll nicht an der Größe seiner Aufgabe scheitert - als Lebensminister ist er ja für praktisch alles zuständig, was zwischen Dornbirn und Hadersdorf passiert oder auch nicht - und wie einst Vicky Klima, derzeit Aszendent der VW-Geschäftsleitung in Argentinien, einfach den Hut draufhaut, weil ihm keiner beim Bemalen der Alpen oder beim Dreckausgraben in der Mitterndorfer Senke hilft. (Ich könnte wenigstens beim Titelausdenken behilflich sein: Schwerelosigkeitsminister hat mir immer gut gefallen, und Perfunsationsminister wollte ich als Kind schon selber werden.)
Laut dem weithin unterschätzten Insider-Werk "Der Brockhaus" hat der sogenannte Minister seinen Ursprung in den Begriffen "Diener", "Gehilfe" oder "der Geringere". Vermutlich muß Letztgenannter dem Staat ziemlich dankbar sein, daß ihm dieser ein Haus zur Verfügung stellt, wo er mit seinesgleichen den Arbeitstag verbringen kann und außerdem noch Papier und Bleistifte kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt. Nur - wie sollen wir die Hütte treffend nennen, wo doch die besten Namen, wie beispielsweise "Gruft" oder "Pavillon 23" schon an andere Häuser vergeben sind?
Egal. Lesen Sie den EVOLVER, übernehmen Sie nach der Lektüre irgendein auswärtiges Amt und sorgen Sie gefälligst dafür, daß meine Spesenabrechnungen stets pünktlich beglichen werden.
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Chris Haderer/ArtBeat
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kryz - am Dienstag, 23. September 2003, 15:48 - Rubrik: evolving.words

