QUELLE: Editorial des EVOLVER-Newsletter #68 [22. 9. 2003]
In Brüssel, wo die krummen Bananen herkommen, wurde vergangenes Wochenende über die neue Patentverordnung diskutiert, durch die sich praktisch alles, was auf einem Computer passiert (oder nicht), kostenpflichtig schützen läßt. Im Zuge geheimer Verhandlungen zwischen führenden Industrievertretern und den Bestechungsverantwortlichen der Europäischen Union ist nun durchgesickert, welche Tragweite diese Verordnung tatsächlich haben wird: Hauptnutznießer des neuen Patentrechts ist die Software-Schmelze Microsoft, die sich sämtliche Windows-Fehlermeldungen patentieren lassen will. Für das Unternehmen würde das eine geschätzte Umsatzsteigerung von mindestens 4000 Prozent bis Anfang Oktober bedeuten. Zusätzlich will Microsoft auch das eigens zur Darstellung der Fehlermeldungen entwickelte Windows-Betriebssystem als Patent anmelden.
Marktanalytiker erwarten einen gerichtlichen Schlagabtausch mit der Computerfirma Apple, die behauptet, einen Großteil der möglichen Systemabstürze selbst entworfen zu haben; die Fehler seien später von Microsoft kopiert und in andere Programme übernommen worden, um den "Look & Feel" des Macintosh zu imitieren. Überhaupt gibt sich Apple recht streitbar: Wegen Auseinandersetzungen mit Apple Records will der Bio-Computerbauer seine Werbelinie umstellen und den Slogan "I Buy Macintosh" in allen Sujets nur noch mit IBM abkürzen. Bei International Business Machines hat man die Idee eher kopfschüttelnd aufgenommen; als Antwort bereiten die Anwälte von Big Blue gerade die Patentierung der allen Computeranwendungen zugrundeliegenden Binärtechnologie vor. Davon betroffen könnten auch Nicht-Computeranwender sein, die häufig die Ziffern 0 und 1 verwenden: "Für den privaten Gebrauch sowie für den Bildungsbereich werden wir keine Gebühren einheben", beruhigt IBM-Pressesprecher Carlos Castaneda: "Wir arbeiten im Moment sehr intensiv an einem Open-source Modell dafür." Das von Xerox gegründete Palo Alto Research Center soll auch bereits einige Patentanträge eingebracht haben - davon betroffen soll vor allem die ursprünglich für Rechtshänder entwickelte Maustechnologie sein. Sollte das Xerox-Patent durchkommen, haben praktisch alle Computeranwender mit Tantiemen für jeden Mausklick zu rechnen, Linkshänder ausgenommen.
Aber auch heimische Entwickler denken bereits intensiv über mögliche Patentverfahren nach. Einem aktuellen Branchengerücht zufolge will der Dachverband der Schuhmacher bei den Verhandlungen in Brüssel ein Wort mitreden. Schließlich sei auch für Bildschirmerblindete leicht zu erkennen, daß die Redewendung "den Computer re-booten" vom Bedürfnis abgeleitet sei, ein fachkundiger Schuster müsse dem Rechner dann und wann ordentliche Schuhe anziehen. Für Aufregung wird auch auch Karl-Heinz Grasser sorgen, der sich noch vor den nächsten Wahlen insgesamt 20.000 Elemente seiner eigenen Heimseite patentieren lassen will, darunter seine Babyphotos, das Bild, auf dem er Bill Gates die Hand schüttelt, sowie den schwarzen Hintergrund.
Heftige Proteste kommen im Moment nur von der Arbeiterkammer und vom EVOLVER. Wir möchten unseren Lesern an dieser Stelle versichern, daß wir uns dem allgemeinen Patentierwahnsinn nur am Rande anschließen werden. Es sind ausschließlich von unseren Developern entwickelte Basistechnologien, die wir nach langen Experimenten mit potentiellen Alternativen zum EU-Patent angemeldet haben; darunter die 26 Buchstaben des Alphabets plus Umlaute, Ziffern und Sonderzeichen, da diese die Grundlage für den EVOLVER-Newsletter darstellen. Und da es bei uns nur einen gibt, der diese enorme Zeichenmenge im Kopf behalten kann, lassen wir uns sicherheitshalber den Chefredakteur gleich mitpatentieren.
Der Rest steht im EVOLVER-Newsletter...
Chris Haderer/ArtBeat
Copyright/Disclaimer
In Brüssel, wo die krummen Bananen herkommen, wurde vergangenes Wochenende über die neue Patentverordnung diskutiert, durch die sich praktisch alles, was auf einem Computer passiert (oder nicht), kostenpflichtig schützen läßt. Im Zuge geheimer Verhandlungen zwischen führenden Industrievertretern und den Bestechungsverantwortlichen der Europäischen Union ist nun durchgesickert, welche Tragweite diese Verordnung tatsächlich haben wird: Hauptnutznießer des neuen Patentrechts ist die Software-Schmelze Microsoft, die sich sämtliche Windows-Fehlermeldungen patentieren lassen will. Für das Unternehmen würde das eine geschätzte Umsatzsteigerung von mindestens 4000 Prozent bis Anfang Oktober bedeuten. Zusätzlich will Microsoft auch das eigens zur Darstellung der Fehlermeldungen entwickelte Windows-Betriebssystem als Patent anmelden.
Marktanalytiker erwarten einen gerichtlichen Schlagabtausch mit der Computerfirma Apple, die behauptet, einen Großteil der möglichen Systemabstürze selbst entworfen zu haben; die Fehler seien später von Microsoft kopiert und in andere Programme übernommen worden, um den "Look & Feel" des Macintosh zu imitieren. Überhaupt gibt sich Apple recht streitbar: Wegen Auseinandersetzungen mit Apple Records will der Bio-Computerbauer seine Werbelinie umstellen und den Slogan "I Buy Macintosh" in allen Sujets nur noch mit IBM abkürzen. Bei International Business Machines hat man die Idee eher kopfschüttelnd aufgenommen; als Antwort bereiten die Anwälte von Big Blue gerade die Patentierung der allen Computeranwendungen zugrundeliegenden Binärtechnologie vor. Davon betroffen könnten auch Nicht-Computeranwender sein, die häufig die Ziffern 0 und 1 verwenden: "Für den privaten Gebrauch sowie für den Bildungsbereich werden wir keine Gebühren einheben", beruhigt IBM-Pressesprecher Carlos Castaneda: "Wir arbeiten im Moment sehr intensiv an einem Open-source Modell dafür." Das von Xerox gegründete Palo Alto Research Center soll auch bereits einige Patentanträge eingebracht haben - davon betroffen soll vor allem die ursprünglich für Rechtshänder entwickelte Maustechnologie sein. Sollte das Xerox-Patent durchkommen, haben praktisch alle Computeranwender mit Tantiemen für jeden Mausklick zu rechnen, Linkshänder ausgenommen.
Aber auch heimische Entwickler denken bereits intensiv über mögliche Patentverfahren nach. Einem aktuellen Branchengerücht zufolge will der Dachverband der Schuhmacher bei den Verhandlungen in Brüssel ein Wort mitreden. Schließlich sei auch für Bildschirmerblindete leicht zu erkennen, daß die Redewendung "den Computer re-booten" vom Bedürfnis abgeleitet sei, ein fachkundiger Schuster müsse dem Rechner dann und wann ordentliche Schuhe anziehen. Für Aufregung wird auch auch Karl-Heinz Grasser sorgen, der sich noch vor den nächsten Wahlen insgesamt 20.000 Elemente seiner eigenen Heimseite patentieren lassen will, darunter seine Babyphotos, das Bild, auf dem er Bill Gates die Hand schüttelt, sowie den schwarzen Hintergrund.
Heftige Proteste kommen im Moment nur von der Arbeiterkammer und vom EVOLVER. Wir möchten unseren Lesern an dieser Stelle versichern, daß wir uns dem allgemeinen Patentierwahnsinn nur am Rande anschließen werden. Es sind ausschließlich von unseren Developern entwickelte Basistechnologien, die wir nach langen Experimenten mit potentiellen Alternativen zum EU-Patent angemeldet haben; darunter die 26 Buchstaben des Alphabets plus Umlaute, Ziffern und Sonderzeichen, da diese die Grundlage für den EVOLVER-Newsletter darstellen. Und da es bei uns nur einen gibt, der diese enorme Zeichenmenge im Kopf behalten kann, lassen wir uns sicherheitshalber den Chefredakteur gleich mitpatentieren.
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kryz - am Dienstag, 23. September 2003, 14:01 - Rubrik: evolving.words

